Springschwänze
Wenn es aus der Blumenerde hüpft
(dgk) Wer beim Gießen der Zimmerpflanzen besonders pflichtbewusst ist und daher zu häufig wässert, kann unter Umständen eine Überraschung erleben: Winzige, weiße Punkte hüpfen bei der Dusche wie wild auf der Blumenerde herum.
Besorgte Zimmergärtner fragen sich, ob die kleinen Geschöpfe ihrer Pflanze schaden könnten - doch greifen Sie bitte nicht gleich zum Pflanzenschutzmittel, sondern lieber zu einer Lupe!
Springschwänze: Dieses Tier steckt dahinter
Denn für das Gewusel auf der Blumenerde sorgt eine Gruppe harmloser, aber interessanter Tiere. Sie haben sich im Lauf der Evolution an den winzigen Lebensraum im Lückensystem des Bodens angepasst und sind dabei zu wahren Zwergen geworden – den Springschwänzen. Die kleinsten unter ihnen messen nur 0,2 mm. In der Natur leben Springschwänze (Collembola) vor allem auf und in der obersten Schicht des Bodens, wo sie sich von abgestorbenem pflanzlichem oder tierischem Material ernähren.
„Das sollte eigentlich jeden Gärtner freuen, denn damit sind sie maßgeblich an der Humusbildung beteiligt“, erklärt Heike Stahlhut, Biologin am Deutschen Grünen Kreuz e. V. (DGK). „Sie erhöhen die Bodenfruchtbarkeit und verbessern das Pflanzenwachstum.“ Die urtümlichen Tiere gehören zu den häufigsten Sechsbeinern auf unserem Planeten: Auf einem Quadratmeter gesundem Ackerboden leben in den obersten fünf Zentimetern Erde bis zu 200.000 von ihnen.
Eine Besonderheit – und zugleich namensgebend – ist die Sprunggabel am Hinterleib, die den Winzlingen zu einer schnellen Flucht verhilft, wenn es brenzlig wird. Im Ruhezustand ist die Gabel unter dem Körper eingeschlagen und gespannt wie ein Flitzebogen. Werden die Tiere gestört, wie z. B. beim Blumengießen, katapultiert sie den Besitzer in hohem Bogen per Salto aus der Gefahrenzone.
Muss ich was gegen die Springschwänze tun und, wenn ja, was?
„Springschwänze sind in der Regel keine Pflanzenschädlinge“, so die Expertin vom DGK. Nur selten, nämlich bei von ihnen bevorzugter hoher Feuchtigkeit, kommt es in Blumentöpfen zu einer starken Vermehrung. Die Tiere können dann allerdings, wenn die eigentliche Nahrungsquelle zur Neige geht, an den Feinwurzeln der Zimmerpflanzen fressen.
In trockeneren Blumentöpfen sind sie dagegen kaum zu finden. „Meist hilft es daher schon, einfach weniger zu gießen“, rät Stahlhut. Insbesondere sollte man Substrate mit einem hohem Kompostanteil nicht zu nass halten. Und falls das Absenken der Feuchtigkeit den Tieren keine Beine macht, kann man auch das Gegenteil probieren: Der gesamte Blumentopf wird unter Wasser gesetzt was die Springschwänze aus ihren Verstecken treibt. Nach einigen Stunden können sie einfach abgegossen werden. Foto: Murat Subatli / shutterstock.com
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