Rebschnitt und Erziehung der Weinstöcke

Der Begriff Erziehung für die Formgebung zum Wuchs des Weinstocks und seiner Triebe mag für den Laien befremdlich klingen, tatsächlich aber ist es eine liebevolle Umschreibung der Tatsache, dass der Wein mit bestimmten Mitteln dazu gebracht wird, so zu wachsen, wie wir es wünschen. In den ersten Jahren eines Weinstocks wird seine spätere Wuchsrichtung festgelegt und dazu bedarf es eben dieser Erziehung.

Das erste Jahr des Weins

Zur Erziehung eines Weinstocks gehört, wie in der Erziehung von Tieren und Menschen auch, dass man ihn so behandelt, wie es einem eigentlich widerstrebt. Es müssen Trauben gleich nach der Blüte entfernt werden oder Triebe, über die man sich eigentlich freut, schneidet man zurück. Das erscheint einem im Moment wie Frevel, der Weinstock wird es aber mit guten Ernte-Erfolgen und einem wunschgemäßen Wuchs danken.

Möchte man einen Weinstock mit einem dicken Hauptstamm heranziehen, dann muss nicht nur im Pflanzjahr, sondern auch in den darauf folgenden Jahren jeder Seitentrieb konsequent entfernt werden. Das Entfernen der Seitentriebe muss während der Sommermonate erfolgen, damit die frischen Wunden im Winter keine Frostschäden davon tragen. Soll der Weinstock breit über ein Spalier wachsen und wird auf einen starken Hauptstock kein Wert gelegt, so werden nur die Seitentriebe entfernt, die außerhalb der Spalierhöhe entspringen. Wichtig ist aber, dass der mittlere Haupttrieb immer bestehen bleibt, denn er bildet das Holz für das nächste Jahr.

Um später eine reichhaltige Ernte und einen guten Wuchs zu erlangen, sollte jeder Weinstock im ersten Jahr nicht mehr als ein oder zwei Trauben tragen.

Das zweite Erziehungsjahr des Weins

Im zweiten Jahr wird der Weinstock im zeitigen Frühjahr, und zwar kurz vor dem Austrieb, beschnitten. Der gesamte verholzte Trieb erfährt einen Rückschnitt auf die gewünschte Stammhöhe, so dass drei Trieb-Augen verbleiben. Auch während des zweiten Jahres achtet man darauf, dass nur die Triebe wachsen, die der geplanten Formgebung entsprechen. Die übrigen bricht man wieder den Sommer über heraus. Die drei Triebe, die sich aus dem Hauptstock entwickeln, darf man nicht entfernen, da sie für die nächsten Jahre den Wuchs in die Höhe ermöglichen.

Auch im zweiten Jahr sollte kein Trieb mehr, als zwei Trauben tragen. Darüber hinaus gehende Trauben entfernt man gleich nach der Blüte.

Erziehung des Weins in den Folgejahren

Im Sinne einer bestimmten Wuchsform werden weiterhin die Nebentriebe des Weinstocks und der Vorjahrestriebe entfernt. Nun kann jeder Trieb eine größere Anzahl an Trauben tragen.

Grundlagen des Rebschnitts

Einer der Gründe für den regelmäßigen Rebschnitt, der in jedem Frühjahr erfolgen muss, ist die Erhaltung der dauerhaften Vitalität des Weinstocks. Der zweite wichtige Grund ist die Förderung der Wuchskraft, denn nach jedem Rückschnitt werden die Wuchskraft und die Fruchtbarkeit gesteigert. Jeder neue Trieb, der sich im Sommer bildet, wird im nächsten Frühjahr eine Blüte mit sich bringen. Je mehr Blüten der Stock zu versorgen hat, umso geringer ist die Kraft, die er für das Wachstum und die Fruchtbildung aufwenden kann.

Ein alter Weinstock erhält durch einen kräftigen Rückschnitt neue Energie. So hat man lange Freude an seinen Pflanzen. Wichtig ist, dass all die Triebe, die aus dem Holz wachsen, das älter als zwei Jahre ist, immer zurück geschnitten werden, denn diese Triebe sind unfruchtbar.


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